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Achtsamkeit: Ausweg aus der Multitasking-Hölle

Wie schnell dauert es, eine Rosine zu essen? Jon Kabat-Zinn braucht dafür schonmal 15 Minuten. Sieben um sich vorzubereiten, vier um sie zu essen und weitere vier um sich gedanklich damit abzufinden. Kabat-Zinn ist Molekularbiologe und einer der wichtigsten Achtsamkeitsforscher der modernen Medizin. Er hilft mit seiner Forschung, den Stress zu bekämpfen: Den Multitasking-Stress der digitalisierten Welt, der uns jeden Tag viel zu viel Kraft raubt.

 

Für viele Büro-Angestellte normaler Alltag: Kurz mit dem Kunden telefonieren, dabei eine E-Mail an die Verwaltung schreiben, dann kommt der Kollege noch mit einem HR-Thema um die Ecke und eigentlich wollte man ja die ganze Zeit an der neuen Präsentation arbeiten. Am Ende des Tages lässt man sich aufs Sofa fallen und hat überhaupt nicht das Gefühl, auch nur irgendwas Sinnvolles geschafft zu haben.

 

VON BUCHSTABEN UND ZAHLEN

Das ist kein Wunder; dieses hektische hin-und-her-Arbeiten, das dauernde gedankliche Umschalten zwischen verschiedenen Aufgaben kostet uns übermäßig viel Zeit, Energie und Nerven. Eine wissenschaftliche Erkenntnis, die wir uns ganz einfach bewusst machen können, und zwar durch einen Test: Man schreibe “1” und “A” auf einen Zettel und vervollständige Zahlen und Buchstaben abwechselnd bis “20” bzw. “T”. Dabei die Zeit stoppen und anschließend die Übung wiederholen, diesmal aber mit einer Abweichung: Erst die Zahlenreihe, dann die Buchstabenreihe vervollständigen. Das Ergebnis ist eindeutig: Es ist sehr viel einfacher und schneller, jede Reihe einzeln für sich zu vervollständigen. Das ständige Umdenken zwischen zwei unterschiedlichen Bereichen ermüdet schneller und kostet mehr Zeit.

 

Hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel: Achtsamkeit hilft dabei, sich im Leben auf einzelne Buchstaben- oder Zahlenreihen zu konzentrieren –also auf den aktuellen Moment und auf die jeweilige Sache, der wir uns gerade widmen. Wer achtsam ist, der lebt im Hier und Jetzt. Für die meisten Menschen leider kein Normalzustand: Viele hängen mit ihren Gedanken entweder in der Vergangenheit oder beschäftigen sich mit der Zukunft.

 

DAS LEBEN IM AUGENBLICK

Ein achtsamer Mensch hingegen achtet auf den Moment, ohne ihn zu bewerten. Denn auch das ist ein wichtiger Aspekt der Achtsamkeit Wir neigen dazu, vieles unmittelbar zu bewerten. Aber auch das lenkt ab. Wer stattdessen achtsam ist, hält sich nicht mit einer Bewertung auf, sondern konzentriert sich auf den Augenblick und lässt die Gedanken einfach ziehen. Atemübungen sind der beste Weg dazu: Einfach auf das Ein- und Ausströmen der Luft konzentrieren und dadurch Distanz zu den eigenen Gedanken schaffen.

 

Mittlerweile sind auch viele Wissenschaftler davon überzeugt, dass mit Achtsamkeit das Wohlbefinden gesteigert werden kann – vor allem, wenn es sich um eine bewusste Meditation handelt. Denn wer meditiert, der entfernt sich im Geiste von sich selbst. Dann ist es möglich, sich nicht mehr komplett mit den eigenen Gefühlen und Gedanken zu identifizieren. Forscher können dann regelrecht messen, wie sich innere Spannungen lösen. Kein Wunder, das regelmäßige Achtsamkeitsmeditationen langfristig zu mehr Zufriedenheit und Lebensfreude führen.

 

VON ÄRZTEN EMPFOHLEN

Der Rosinenfreund Jon Kabat-Zinn entwickelte zu diesem Zweck Ende der 1970er Jahre das medizinische Achtsamkeitstraining MBSR, eine Abkürzung für Mindfulness-Based Stress Reduction – also Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Kabat-Zinn war Zen-Buddhist und orientierte sich bei seinem Programm vor allem an Yoga-Haltungen und Elementen der buddhistischen Atem-Meditation. Allerdings achtete er auch darauf, dass seine Methode ohne philosophisch-religiösen Überbau auskommt. Und gerade dieser weltliche, rein medizinische Ansatz sorgte für einen breit durchschlagenden Erfolg.

 

Trainings dieser Art gibt es mittlerweile in fast jeder größeren Stadt. Manche Krankenkassen haben MBSR-Kurse sogar in ihren Leistungskatalog aufgenommen. Allerdings muss es auch nicht immer komplettes Trainingsprogramm sein; wir können achtsame Momente auch auf den gesamten Tag verteilen. Zum Beispiel direkt nach dem Aufstehen, indem wir unsere morgendliche Routine beobachten. Oder unter der Dusche, indem wir uns auf das Gefühl des wärmenden Wassers konzentrieren. Achtsamkeit kann aber auch bedeuten, Alltägliches aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Indem wir zum Beispiel Routinen bewusst durchbrechen und vielleicht mal einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, fremde Musik hören oder mit der linken anstatt der rechten Hand zu essen. Nicht zwangsläufig eine Rosine – aber warum eigentlich nicht?

 

KURZ & KNAPP

  • Der Mensch ist nicht für Multitasking gemacht: Das dauernde Wechseln stresst und fordert zu viel Zeit und Energie
  • Achtsamkeit ist der Gegenentwurf zum Multitasking, indem wir uns auf den jeweiligen Moment konzentrieren
  • Mit medizinisch entwickelten Achtsamkeitstrainings oder kleinen Alltagsübungen verbessern wir unser Wohlbefinden
Tags: achtsamkeit
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